Einblick in die vietnamesische Küche

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Hallo ihr Lieben,
in einigen unserer Rezepte haben wir euch bereits einen kleinen Einblick in die vietnamesische Küche gegeben. Doch die vietnamesische Küche ist so vielseitig, weshalb ich dem Thema gerne einen eigenen Post widmen und euch die Küche noch etwas näher bringe möchte.

Geschichte und Charakteristiken der vietnamesischen Küche

Beeinflusst wurde sie vor allem durch die chinesische Küche. Im südlichen Teil des Landes sind dagegen thailändische sowie indische Einflüsse vorzufinden. Weiterhin sorgte der Buddhismus für eine Vielzahl an reichhaltigen vegetarischen Gerichten. Aufgrund der französischen Kolonialherrschaft lassen sich bis heute noch westliche Einflüsse entdecken. So gibt es beispielsweise Baguettes, Croissants sowie Kaffee, die von den Franzosen eingeführt und adaptiert wurden.
Das Besondere aber ist und bleibt die Vielfältigkeit der Zutaten, die verwendet werden. Typisch sind Fischsauce, Garnelenpaste, Sojasauce, Reis, frische Kräuter, Früchte und vielerlei Gemüse. Im Fokus liegen in der Regel kräftige Kräuter und Gewürze, die wunderbare Aromen abgeben: Zitronengras, Ingwer, vietnamesische Minze, Koriander, Zimt, Chili, Limetten und thailändischer Basilikum.
Die traditionelle vietnamesische Küche zeichnet sich durch die Verwendung von frischen Zutaten, wenig Öl, komplementären Texturen sowie aromatischen Kräutern und Gemüsesorten aus. Aufgrund der Ausgeglichenheit zwischen der Frische der Kräuter und des Fleisches sowie einer feinen Auswahl an Gewürzen, gilt die vietnamesische Küche als eine der gesündesten Küchen weltweit.

Philosophie – 5 Elemente, Ying & Yang Balance

Die Balance zwischen den ganzen Komponenten ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die Philosophie anschaut, die dahinter steckt. Denn die Vietcuisine wurde stark von den Prinzipien der fünf Elemente beeinflusst. Jedes Element entspricht jeweils einer Geschmacksrichtung, welche wiederum mit den fünf wichtigsten Körperorganen sowie fünf Nährstoffen, Farben und Sinnen in Beziehung steht.

(Quelle: Yang 2012, Philosophy of Vietnamese Cuisine)

Bei der Zubereitung der Gerichte wird das Prinzip von Ying und Yang angewandt. Die Mahlzeit soll so komponiert werden, dass im Körper eine wohltuende Balance entsteht. Zwar ist die Kontrastierung von Textur und Geschmack bedeutsam, jedoch betrifft das Prinzip primär die Erhitzungs- und Kühlungseigenschaften der Zutaten. Bestimmte Gerichte werden daher in ihren jeweiligen Jahreszeiten serviert, um einen Kontrast zwischen Temperatur und Schärfe der Speisen sowie der Umgebung zu erzeugen.
Beispielsweise gilt Entenfleisch als kalt, weswegen man dazu eine Fischsauce mit Ingwer reicht, da diese warm ist. (Heiße) Schärfe wird dagegen gerne mit Säure (Kälte) ausgeglichen. Meeresfrüchte gehören zu den kühlen Speisen, weswegen hier gerne mit Schärfe gearbeitet wird. Letzteres Beispiel begegnete mir bei meinem Vietnambesuch vor einigen Jahren, als ich bei meiner Oma war. Da sie bemerkte, wie sehr ich Meeresfrüchte mag, riet sie mir, Garnelen und Co. immer mit etwas Scharfem zu mir zu nehmen. Diese Speisen würden den Körper abkühlen, weshalb man mit Wärme bzw. Hitze dagegen arbeiten muss. „Sonst bekommt man Bauchweh!“, so meine liebe Omi.

Kulturelle Bedeutung

Während in der Stadt Essen als etwas Alltägliches angesehen wird, hat es auf dem Land einen höheren kulturellen und religiösen Wert innerhalb der Familie.
So wird beispielsweise Salz als Verbindung zwischen den Welten der Lebenden und Verstorbenen benutzt. Oder ein Gebäck (Bánh phu thê) soll Liebespaare an die Perfektion und Harmonie auf ihren Hochzeiten erinnern. Kostbares und besonderes Essen wird an den Ahnenaltar als Opfergabe zu bestimmten Anlässen, wie z. B. Todestagen oder Feiertagen, gelegt.
Kochen und Essen spielen eine sehr bedeutsame Rolle in der vietnamesischen Kultur. Innerhalb der Familie ist das gemeinsame Zubereiten von Speisen fest verankert und jedes Familienmitglied hat seine Aufgaben. Stehen besondere Ereignisse an, werden viele Gäste aus dem Freundes- und Bekanntenkreis eingeladen. Ein großes Festmahl wird organisiert, bei dem es standardmäßig viel, viel mehr gibt, als gegessen werden kann.

Das Essen ist dann nicht vorbei, wenn es aufgegessen wurde, sondern man genießt das Beisammensein. Es wird noch sitzen geblieben und geredet, da es um die Gesellschaft gehen soll. So ist es durchaus üblich, dass ein Essen mehrere Stunden dauern kann. Beim Plaudern darf zwischendurch natürlich auch weiter gegessen (und getrunken) werden.

Bei meinem letzten Heimatbesuch gab es stets Festmahle, um meinen Aufenthalt zu zelebrieren. Dabei tat mir gerne nahezu jedes Familienmitglied etwas auf. Dies steht für eine Art Einladung zum Essen und dient als Zeichen der Zuneigung. Da meine Familie ziemlich groß ist, kam ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr mit dem Essen hinterher. Auch das ist für die vietnamesische Kultur üblich. Es nimmt einem aber niemand übel, wenn man nicht mehr aufessen kann. Wichtig ist ihnen zu zeigen, wie gerne sie einen haben und man das sieht.

Ihr seht, das Essen wird nicht nur als Aufnahme von Lebensmitteln verstanden. Es ist ein Ritual, ein Ereignis und eine Form der Wertschätzung. 🙂

Bekannte Gerichte aus der vietnamesischen Küche

Es gibt so viele tolle und leckere Gerichte. Nachfolgend möchte ich euch einen kleinen Auszug davon geben. Zu einigen Gerichten findet ihr auch bereits ein Rezept auf unserem Blog!

Ich hoffe, euch hat der Post gefallen und ich konnte euch einen schmackhaften Einstieg in die vietnamesische Küche geben! 🙂

Gerne lesen wir uns wieder,
bis bald

Mimi

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